Ich mag die deutsche Sprache. Wahrscheinlich, weil es meine Muttersprache ist - die also, die mich von Kindesbeinen an begleitet.
Ich mag die englische Sprache. Wahrscheinlich, weil es so eine globale Sprache ist - eine solche also, die mich unabhängiger macht.
Aber ich mag die beiden getrennt. So wie ich Milchreis und ein gutes Steak mag. Nur würde ich eben nie auf die Idee kommen, beides zusammen zu konsumieren.
Gleiches möchte ich eigentlich auch mit Deutsch und Englisch. Ich mag die beiden, aber ich mag sie nicht vermengt.
Nein, ich habe absolut Nichts gegen Begriffe wie Computer, E-Mail oder Baby. Selbst so dümmliche Nicht-Anglizismen wie Handy kann ich verkraften, auch wenn Mobiltelefon ebenso prima klingt - im Gegensatz zu Schaltkreismaschine, E-Post oder Kleinstkind.
Unsere Sprache ist lebendig, und so manche Begriffe haben sich eingebürgert. Wer will sich schon ein Leben ohne Spaghetti (ital.), Terrasse (franz.) oder Sex (engl.) vorstellen? Eben!
Und trotz ich Sprache als etwas Lebendiges sehe, und nicht die Notwendigkeit erachte für jeden neuen Begriff zwangsläufig auch ein deutsches Wort kreieren zu müssen, schaudert es mich beim Gang durch die Innenstädte oder dem Durchblättern von Zeitschriften. Da kreischt der Einzelhandel “SALE”, der Journalist empfiehlt sich eine Software mal “downzuloaden” und jedes noch zu mittelständig, lokal verankerte Unternehmen gibt sich in Zeiten der Globalisierung mit einem englischen Motto dem Traum der Welteroberung hin. Und in den Stellenanzeigen werden anstelle von Geschäftsführern plötzlich CEOs und statt Hausmeistern nun Facility Manager gesucht. Gestern sah ich einen kleinen, lokalen Anbieter, an dessen Auto allen Ernstes “Facility Management seit 1930” stand. Ich glaube, vor 3 Jahren wußte der Geschäftsinhaber noch nicht einmal, was Management ist, geschweige denn eine Facility.
Ich weiß nicht, ob ich ohne Englisch und die letzten in meinem Gehirn verankerten Bruchstücke Schul-Französisch wüsste, was so manches Unternehmen eigentlich von mir will.
Was ist ein SALE? Wie createurt Renault seine d’Automobile? Und warum ist Siemens “Be-inspi-red”?
Für 30jährige sollten derlei Slogans übersetzbar sein. Und für 40jährige? 50jährige? Nein, man muss nicht in einer “alten” Gesellschaft verharren. Die Frage ist nur: Warum packen wir unseren Duden mit Anglizismen voll und vergessen diesen Zuliebe deutsche Wörter? Oder radieren sie bewusst aus.
Ich kann mich nicht wirklich erinnern, wann ich das Letzte mal “Schlussverkauf” gelesen habe. Und nach den letzten Weihnachten habe ich mir für 2009 vorgenommen, mal eine Strichliste zu führen, wie oft ich “Christmas” oder “Xmas” statt “Weihnachten” lesen und höre.
Deutsch ist toll. Nur hier gibt es so wunderbare Worte wie “Abwrackprämie”, “Sonntagmorgenbrötchen” oder “Jahreswertmarke”. Ich mag das. Es erzeugt so ein heimeliges Gefühl. Eben, weil Deutsch meine Muttersprache ist. Und ich hoffe, in 30 Jahren ist Deutsch noch immer eine Sprache mit einem Grundanteil an Worten, die wir today als Deutsch ansehen.
Ist “Deutsch” bedroht? Sicherlich nicht. Sprache ist lebendig, und nach Jahrhunderten der Sprachentwicklung bezeichnen wir viele Wörter als “Deutsch”, die es ursprünglich nicht sind. Allerdings: Wir sollten nicht zulassen, dass wir Wörter zwanghaft ersetzen, die es in unserer Sprache bereits gibt. Oder warum ist überall Sale, wieso muss ich jemanden plötzlich meine Love gestehen und warum habe ich plötzlich Boots an den Füßen?
Eintrag vom 15.04.2009
Kategorie: Alltag
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