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Web|log [auch: Blog], das: Hier finden sich aktuelle Netzfundstücke, Alltägliches und Gedanken zur Welt - seit Januar 2001.
09.03.2009
Ich habe drei Kinder. Eines fast 8, eines drei und eines ein halbes Jahr.
Ich weiß wie meine Kinder sind, wie sie reagieren, was sie machen. Ich weiß wie ich Windeln wechsle, wie ich sie anziehen muss (und achte sogar darauf, was ich ihnen zum anziehen gebe), ... Ich weiß wie ich lieb zu ihnen sein kann, ich weiß wie ich sie schimpfen kann. Ich weiß sogar, wann ich sie schimpfen muss und wann nicht.
Alles Eigenschaften, die ich ebenso gut kann wie meine Frau.
Ich bin einer dieser Väter, die ihre Kinder jeden Tag in den Kindergarten (bzw. Schule) bringen und von dort wieder abholen, der fragt wie ihr Tag war und wie sie sich fühlen. Mich interessiert das.
Deshalb interessiert mich auch, was Lehrer, Erzieher oder Ärzte über meine Kinder denken. Und genau an dem Punkt treffe ich auf ein Phänomen. Eines, das scheinbar tief verwurzelt in unserer Gesellschaft steckt.
Ich nenne es das “Väter können nur inkompetent sein”-Phänomen. Vielleicht fällt mir irgendwann auch mal ein besserer Name ein.
Erstmals festgestellt habe ich das Phänomen, nachdem Jason ein halbes Jahr in den Kindergarten ging. Da kam eine neue Erzieherin in die Gruppe, bei der feststellbar war: Fragte ich sie etwas erhielt ich andere und weniger ausführliche Informationen als meine Frau.
Zuerst hielt ich es für eine Besonderheit der Erzieherin, musste mein Urteil allerdings ändern, nachdem wir von Ludwigsburg nach Leipzig gezogen waren. Hier nämlich verhielt sich jede Erzieherin, Lehrerin und Ärztin mir gegenüber so.
War ich allein bekam ich nur wenige Informationen. War meine Frau bei mir wurde ich vom Gegenüber stets höfflichst ignoriert und die Antwort, selbst bei einer von mir gestellten Frage, immer an meine Frau gerichtet.
Ausnahme: Der Leiter des Kindergartens, in den Jason ging. Aber dafür war es eben auch ein Leiter, keine Leiterin.
Heute geht es mir insbesondere mit unserer Kinderärztin und der Klassenlehrerin von Jason so. Sobald meine Frau bei mir ist, muss ich unsichtbar für gewisse Kreise werden.
Väter werden in Deutschland offenbar noch immer für größtenteils inkompetent gehalten. Weint ein Kind bei einer Frau sind die Blicke den einen umgebenden Menschen komplett anders als bei einem Mann. Frau: Böse Blicke. Mann: Mitleidige Blicke.
Mann holt Kind ab: “Alles ok” als einziger Kommentar. Frau holt Kind ab: Ausführlichste Beratung selbst über die Farbe des mittäglichen Stuhls.
Selbst in der Apotheke wurde mir neulich angeboten, die Dosierung nochmals für meine Frau auf einen extra Zettel zu schreiben, nicht das ich es vergesse ... Dumm nur, dass ich zu dem Zeitpunkt mit dem kranken Kind allein daheim war und meine Frau die Dosierung überhaupt nicht interessierte (überspitzt gesagt).
Die Gleichberechtigung der Frau funktioniert im Sektor Kindererziehung absolut nicht. Noch immer wird in der Frau der kompetenteste Ansprechpartner vermutet, der Mann kann unmöglich mehr über die Kinder wissen. Ist schließlich nie da ... oder so.
Manchmal komme ich mir als Vater in Deutschland ein wenig minderbemittelt vor.
Ja, ich bin Vater. Ich weiß was Kinder sind, wie sie ticken und ich kann mit ihnen umgehen. Sogar mit allen dreien gleichzeitig. Und danke, nein. Man muss mir keine mitleidigen Blicke entgegen werfen, mich ignorieren, wenn meine Frau dabei ist. Und man muss mir auch nicht alles zweimal erklären, wenn man es denn dann mal tut.
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Kommentare
Watt'n Scheiss! Das würde mir als Kind dann doch irgendwie verbitten. Andererseits, ab wann schafft so ein Kind das mit dem Stuhlgang eigentlich von allein?
Naja, ist vielleicht auch mal nett als man an der Gleichberechtigung arbeiten zu müssen. Gibt es hier auch Müttermeinungen?
Heiko
geht, oder ging, mir ganz genauso. Liegt meiner Meinung nach aber auch sehr an vielen Vätern. Ich war oft genug der einizge Vater beim Elternabend im Kindergarten, die anderen Väter fanden sowas peinlich. Das geht in der Grundschule genauso weiter, wenns dann aber auf die weiterführende Schule geht, wist du merken daß sich das ändert. Da triffst du dann plötzlich mehr Väter. Da sind die Mütter dann plötzlich nicht mehr zuständig oder "intelligent genug" (das war ein Originalzitat eines Vaters).
Allerdings stelle ich fest, dass ich im Kindergarten und in der Schule zu den Erzieherinnen auch auf der "Mutter-zu-Mutter"-Ebene spreche, da die meisten Erzieherinnen selbst Kinder haben. Da kommt ein "Das kennen wir auch" oder "Bei uns ist das so" viel eher über die Lippen.
Zumal man als Frau gern auch mal einfach nur redet um zu reden. Man/frau plaudert eben.
Dass der Mann sich seinen Platz in der Kindererziehung erkämpfen muss, sollte aber jedem klar sein. Und gerade die Männer, die sich für die Familie einsetzen, stellen das fest, weil sie ganz einfach diejenigen sind, die auf die alte, festsitzende Rollenverteilung in den Köpfen treffen. In ein paar Jahren hat sich das geändert.
Solange musst du die Blicke ertragen. Und vor allem deine Meinung direkt kund tun (welcher Apotheker/Kinderarzt/Erzieherin liest deinen Blog?).
Situationen wie diese gehören (leider) noch zu unserem alltag. aber wir geben unseren kindern ein verändertes rollenverständnis mit (du als fürsorglicher Vater, ich als autokaufende und voll berufstätige Mutter) und so tragen wir stück für stück dazu bei, dass sich der blickwinkel ändert. wir dürfen nur nicht verzweifeln ;)
In diesem Sinne: Lass uns die Welt Stück für Stück verändern!
Vielleicht ist das nur die Rache dafür ;-) (Was ich nun natürlich als Scherz meine, weil dies eigentlich schon ernst zu behandelnde Themen sind, die sich aber trotzdem wohl nie ändern werden)