Abschied von Ellen
27.02.2010
Vor zwei Jahren bekam mein Vater die Diagnose Krebs. Nicht operabel und im Endstadium.
Er würde sterben, binnen Jahresfrist - so die Ärzte. Heute geht es ihm gut. Der Krebs geht nicht spurlos an ihm vorbei, aber er beweißt, dass Ärzte sich irren. Und ich glaube, das nur aus liebgewonnener Sturheit.
Seit dieser Diagnose allerdings male ich mir aus, wie dieser eine Anruf sein wird. Dieser eine, mit den entscheidenden Worten. Mit dem Wort “tot” im Satz.
Seit heute weiß ich es.
Ich weiß, wie der Anruf klingen wird.
Und ich weiß, was ich sagen werde. .. Nichts ..
Ich weiß, das ich nicht darauf vorbereitet sein werde.
Trotz allem. Ich werde ebenso wenig darauf vorbereitet sein, wie auf den Anruf, den ich heute bekam.
Ich habe drei Kinder. Drei wunderbare, lebensfrohe kleine Zwerge, die ihren Weg durchs Leben gehen sollen. Ich weiß, das ich nicht auf jede Entscheidung, auf jeden Schicksalsschlag und jedes Ereignis vorbereitet bin. Niemand ist das. Aber um eines bete ich regelmäßig - egoistisch oder nicht: Ich will nicht erleben, wie meine Kinder sterben.
Heute Mittag ist meine ältere (Halb-)Schwester Ellen gestorben.
Sie war eine Kämpferin, überstand eine eigene Krebserkrankung, überwand den Tod ihres Ehemanns vor Jahren (dem sie bis zum Schluss treu blieb). Sie war lebenslustig, ehrlich, direkt, liebevoll, .. eine der wunderbarsten und herzigsten Menschen die ich kennenlernen durfte. Eine der am wenigsten distanzierten. Wie mein Vater einer der Menschen, die sich von nichts und niemandem unterbekommen haben lassen.
Am Ende bekommt uns aber wohl alle ein ganz bestimmter “jemand” unter.
Danke, Ellen. Du warst ein wunderbarer Mensch!
Ich werde Dich vermissen.